Dresden

Die Porzellanmanufaktur Meissen zu Meißen

Dresden «Meißen und Meissen. Was soll das heißen?», könnte man fragen, wenn man diese Zeilen liest. Aber in der Tat werden der Ort und die Porzellanmanufaktur auch orthografisch unterschieden. Man merkt sich das so: Der profane Ort nach der profanen Schreibweise, die Manufaktur mit elitärem Doppel-S. Wie dem auch sei, wir besuchen an diesem Tag zunächst die Porzellanwerkstätten, die eine sehr gut organisierte Führung durch eine Art «Lehrwerkstatt» anbieten. Das sollte man sich als technisch interessierte Person nicht entgehen lassen, ganz gleich wie man dem Ergebnis dieses Fertigungsprozesses gegenübersteht.
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Im Rahmen einer kurzen Filmvorführung wird die Geschichte und der grundlegende Herstellungsgang von Meissener Porzellan erläutert, früher ein streng gehütetes Geheimnis, heute bis auf die Farbmischungen weitgehend ausgeforscht. Zu Beginn der Arbeiten an «europäischem» Porzellan, das ja schon zuvor aus Japan und China bekannt war und seit einigen Jahrhunderten von dort importiert wurde, brachte man die Fertigung auf der Albrechtsburg, oben im Bild, unter.
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Die Zugangsbeschränkungen erlaubten einen wirkungsvollen Schutz gegen Industriespionage, damals sicherlich noch nicht so genannt, weil 1710 der Begriff «Industrie» noch nicht geboren war. Aber schon damals erkannte man das Potenzial, das sich in diesen Waren befand, nicht zuletzt wegen der hohen Preise, die importiertes Porzellan erzielte.
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Unter strenger Geheimhaltung begannen die Versuche der Herstellung des Porzellans, dessen Rohstoff noch heute aus einer Tonmine unweit von Meißen kommt, eine der kleinsten Gruben, die es gibt. Gerade einmal zwei Personen arbeiten dort, um den Rohstoff zu gewinnen. Herz des Unternehmens aber sind die Porzellanmaler. Etwa sieben bis zehn Jahre dauern Ausbildung und Einarbeitungszeit für diesen Beruf. Auf dem Höhepunkt der Fertigung arbeiten 1800 Menschen in den Werken, heute sind es noch 800, einige sind in der Schauwerkstatt und im Porzellanmuseum beschäftigt. Das Museum zeigt u. a. eine Orgel aus Porzellan, die erste, der man zuverlässig Töne entlocken konnte. Orgelspieler dürfen Sie testen!
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Ein Highlight in der nunmehr fast 300-jährigen Geschichte: 1907 wurde in Dresden die Wandtafel Fürstenzug der Wettiner eingeweiht, bestehend aus 25000 Meissener Porzellanfliesen. Das Bildnis war zunächst auf die Wand aufgemalt worden, verwitterte aber schnell, sodass man das Angebot der Manufaktur annahm, es in Porzellan zu «verewigen».