Im ho­hen Nor­den

Von Nar­vik nach Lyngsei­det

Hafen mit WasserflugzeugIch ha­be den Ru­he­tag in Nar­vik u.a. zum Aus­wech­seln zwei­er ge­bro­che­ner Spei­chen be­nutzt und kau­fe am Mon­tag­mor­gen in der Stadt ei­ne neue, stra­pa­zier­fä­hi­ge Len­ker­ta­sche für we­nig Geld. Bol­zen für Pe­da­len sind hier un­be­kannt, al­so müs­sen es die al­ten noch tun. 9 wei­te­re Ket­ten­glie­der soll­ten für die nächs­ten Ki­lo­me­ter rei­chen.
Um halb zwölf ver­las­se ich Nar­vik in ei­ner hef­ti­gen Re­gen­schau­er. Bei Bjerk­vik ma­che ich Rast und ver­spei­se ei­ni­ge But­ter­stul­len. 
Zelt am See *
Un­ter­wegs trifft man na­tür­lich auch die selt­sams­ten Ty­pen. Ein Deut­scher kommt mir ent­ge­gen. Er ist am Nord­kapp ge­st­ar­tet und auf dem Weg nach Gi­bral­tar. Ein an­de­rer hat sei­ne Gi­tar­re da­bei, was auch kei­ne Höchst­leis­tun­gen zu­lässt. Ein ganz an­de­res Exem­plar ist Da­ve, der be­haup­tet, zu­sam­men mit Freun­den ein Re­stau­rant am Yel­low­sto­ne Na­tio­nal Park zu be­trei­ben. Er ma­che die Bü­cher im Win­ter und fah­re im Som­mer sechs Mo­na­te mit dem Rad durch al­le Welt. Haus mit Grasdach Au­ßer­dem ha­be er "tons of mo­ney", wie er sagt. Was auch im­mer dar­an rich­tig ge­we­sen sei - je­den­falls lädt er mich an die­sem Abend zum Es­sen im Re­stau­rant ein - und er fährt ein Rad, das ich so noch nie zu­vor ge­se­hen ha­be: ein Moun­tain-Bike.
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Und wahr­lich, die­ses Bi­ke scheint ein Wun­der der Tech­nik (wir schrei­ben das Jahr 1984!). Die Spei­chen sind so sta­bil, dass sie nie bre­chen, die Brem­sen so stark, dass sie je­des Ge­wicht je­der­zeit zum ste­hen brin­gen - und die drei Ket­ten­blät­ter vor­ne er­schei­nen wie aus ei­ner fu­tu­ris­ti­schen Stu­die. unterwegs in NordnorwegenDas Gan­ze ist na­tür­lich auch noch ul­tra leicht! Über ein Jahr wird es dau­ern, bis man die ers­ten Rä­der in Deutsch­land sieht. Im nächs­ten Som­mer wer­de ich mir so ein Rad aus Ein­zel­tei­len zu­sam­men bau­en - und die­se Idee stammt von je­ner Be­geg­nung mit Da­ve.
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Ins­ge­samt fah­re ich drei Ta­ge mit Da­ve in Rich­tung Nor­den, aber sei­ne lang­sa­me, un­er­müd­li­che Art Rad zu fah­ren, kann ich auf Grund der Bau­wei­se mei­nes Ra­des nicht durch­hal­ten. Wir tren­nen uns, tref­fen uns und tren­nen uns dann wie­der. Un­weit der Fäh­re, die bei Lyngsei­det et­wa 40 km Stra­ße ab­kürzt, cam­pen wir so­gar wie­der zu­sam­men.