26.800 Hö­hen­me­ter an ei­nem Tag

Und ganz ne­ben­bei 166 Pis­ten­ki­lo­me­ter

Si­cher­lich ha­ben die Herrn Ja­nusz Sia­ta und Rhein­hold Go­ep­pel be­reits auf ih­re le­gen­dären und ganz ge­wiss groß­ar­ti­gen Rit­te durch das nicht min­der groß­ar­ti­ge Ski­ge­biet von Zer­matt die Kor­ken knal­len las­sen. Bis zu je­nem 18. April, fünf Ta­ge vor Sai­son­schluss, hat­ten sie da­zu auch al­len Grund, be­leg­te der Po­le doch den zwei­ten Platz im Klas­se­ment de­rer, die in der Sai­son 2017/18 an ei­nem Tag die meis­ten Hö­hen­me­ter ge­fah­ren hat­ten. Der an­de­re führ­te die Lis­te der deut­schen Fah­rer an, mit ei­nem Ab­stand von 4.000 Hö­hen­me­tern auf Platz 2.

Man­che Kin­der kann man für gar nichts be­geis­tern, an­de­re wie­der­um las­sen sich al­lein von der Aus­sa­ge an­sta­cheln, dass 150 Pis­ten­ki­lo­me­ter wohl die Gren­ze des Fahr­ba­ren sei. Der «Ha­se von Mam­mel­zen» weiß um sei­ne Ge­wandt­heit auf Ski und kon­tert, dass man in Zer­matt auf je­den Fall 150 km fah­ren kön­ne. Im­mer­hin hät­te ich «ja 120 km ge­fah­ren, da lä­gen 150 ge­ra­de­zu in der Luft!» Die­se Art von Re­spekt­lo­sig­keit las­se ich mir dann auch ge­fal­len.

Es ist der denk­bar schwie­rigs­te der son­ni­gen Ta­ge die­ser Sai­son. Mor­gens sind die Pis­ten ex­trem hart ge­froh­ren und abends so nass, dass man Schwim­men ler­nen könn­te. Da­zu viel zu viel Schnee, was da­zu führt, dass Furgg-Fur­ri we­gen aku­ter La­wi­nen­ge­fahr per­ma­nent ge­sperrt ist - und ab 13 Uhr auch noch das ge­sam­te Schwarz­see­ge­biet, so­dass ein Ab­sa­cker auf dem Mat­ter­horn-Express nicht mehr sinn­voll er­scheint: «Ich bin heu­te Mor­gen nur so über die Pis­ten ge­schlit­tert!» Im­mer­hin mit Tem­po 106. Da kommt fast ein we­nig Renn­ro­man­tik auf.

Die Ro­thorn­bahn ist aus Si­cher­heits­grün­den still­ge­legt. Ei­ner der Pfei­ler be­wegt sich als Fol­ge der Er­der­wär­mung, die in der Schweiz zu ei­nem über­durch­schnitt­li­chen An­stieg der Tem­pe­ra­tu­ren führt. Sie bie­tet für ei­nen Hö­hen­me­ter­re­kord auch ei­nen zu ge­rin­gen Hö­hen­un­ter­schied. So bleibt am En­de nur die Gon­del am Gant, auf der er an die­sem Tag 22 Berg­fahr­ten macht, mehr als je­der vom Lift­per­so­nal, weil er im Ge­gen­satz zu de­nen auf die Mit­tags­pau­se ver­zich­tet. Das Ta­ge­spro­fil trägt ihm den Bein­amen «Sä­ge­zahn­ha­se» ein. Gleich­mä­ßi­ger fah­ren we­der an­de­re noch die Luft­seil­bahn selbst. Oh­ne Aus­nah­me er­reicht er da­bei stets die­sel­be Gon­del, wo­durch er drei Fahr­ten pro Stun­de rea­li­sie­ren kann. Aber das al­lein ist nicht das Ziel. Mir klingt da noch der Satz von 150+ km im Ohr!

Es gibt zwei Rou­ten, die man von Hoh­täl­li zum Gant fah­ren kann, die kür­ze­re über die Whi­te Ha­re («Schnee­ha­se») ist 6,0 km lang, die län­ge­re 6,9 km. Sie führt über die Pis­ten Hoh­täl­li und Kel­le. Will man Ki­lo­me­ter schrub­ben, muss man die län­ge­re fah­ren. Dann reicht die Zeit ge­ra­de aus, um die Sper­re vor der Ab­fahrt der Bahn zu er­rei­chen. Der GPS-Emp­fän­ger zeich­net ins­ge­samt 17 Ab­fahr­ten über die län­ge­re Va­ri­an­te auf. Sie tra­gen ent­schei­dend zur gro­ßen An­zahl von Ta­ge­s­ki­lo­me­tern bei - und wohl auch zur Dif­fe­renz von 20 km ge­gen­über den An­ga­ben von Ski­line, de­nen ich vor ei­nem Jahr noch um 10% zu gro­ße Wer­te vor­ge­hal­ten hat­te.

Die neue Ge­ne­ra­ti­on lädt erst ein­mal ei­ne App her­un­ter. Ski­line zeigt dem Fah­rer dann schon we­ni­ge Se­kun­den nach dem Durch­schrei­ten der Sper­re den neu­en Hö­hen­me­ter­wert an. Ge­mes­sen wer­den die Berg­fahr­ten. Da­bei macht Ski­line die An­nah­me, dass man ins Tal zu­rück fährt. Der Fah­rer sieht sich so im Lau­fe des Ta­ges im­mer nä­her an die Spit­ze her­an­rücken.

Zwar reicht es am En­de nur für Platz 2 in der Ge­samt­wer­tung al­ler re­gis­trier­ten Fah­rer, aber die Ta­ges­ki­lo­me­ter­leis­tung von 166 be­ein­druckt eben­so wie die An­zahl der Hö­hen­me­ter. Die Lis­te der deut­schen Ski­fah­rer ist prak­tisch ge­sprengt: Ein Ab­stand von über 5.000 Hö­hen­me­tern auf Platz 2 und 9.000 auf Platz 3 spricht Bän­de. Am fol­gen­den Tag tref­fen wir in der Bahn auf nine848, die es in die­sem Win­ter auf 800.000 Hö­hen­me­ter brin­gen will. Sie schafft 21 Berg­fahr­ten und schiebt sich mit knapp 25.000 Hö­hen­me­tern auf Platz 7: «Ir­gend­wann muss man ja auch mal aufs Klo!»