Pis­ten­ki­lo­me­ter und Re­kor­de

Über­lan­ge Ski­ta­ge mit sehr vie­len Ki­lo­me­tern

Ers­ter Fe­der­strich: April 2018.

Aus­ge­hend von ei­ge­nen Er­fah­run­gen, die uns von 109 über 120 zu 166 Pis­ten­ki­lo­me­tern ge­führt hat­ten, be­gann mei­ne Su­che nach Or­ten und Be­ge­ben­hei­ten mit ähn­lich auf­re­gen­den Er­geb­nis­sen. Hier un­se­re Beo­b­ach­tun­gen, ein Zeit­zeu­gen­be­richt, man­che nen­nen das ei­nen «Blog».

Die Jagd auf Re­kor­de ist frei­ge­ge­ben. Und wo im­mer Re­kor­de ge­fah­ren wer­den, ist die Ver­su­chung groß, zu be­trü­gen. Da­her soll­te man sich al­le Zah­len ge­nau an­se­hen, be­vor man vor Ehr­furcht er­starrt. Als Ver­mes­sungs­in­ge­nieur fragt man sich na­tür­lich, wenn man die Er­geb­nis­se sieht, wie die­se wohl zu­stan­de ge­kom­men sein mö­gen. Da­zu muss ich et­was aus­ho­len.

Der Be­trug ist so alt, wie der Wett­be­werb selbst. Die übels­te Art, in die­sem Gen­re zu be­trü­gen, ist, gar nicht erst zu fah­ren. Man steckt die Kar­te, dreht das Dreh­kreuz und geht dann nicht hin­durch. Das ga­ran­tiert ei­nem, dass man kei­ne Bahn ver­passt: «Klingt in­te­res­sant, ist es aber nicht!» Schließ­lich hat man sich nicht be­wegt. Übel auch, wenn sich die Sper­re an der Berg­sta­ti­on be­fin­det, wo so ein Vor­ge­hen eher auf­fällt. Sub­ti­ler ist dann schon der Be­trug, wenn man mit Gon­deln fährt, die gar nicht zum Fahr­plan ge­hö­ren. Wenn man Be­zie­hun­gen zum Per­so­nal hat und mit­ge­nom­men wird, be­vor das Ski­ge­biet öff­net, und noch fah­ren darf, wenn es schon ge­schlos­sen ist. Neh­men wir ein­mal an, dass die Meis­ten das nicht nö­tig ha­ben, aber im In­ter­net kur­sie­ren die selt­sams­ten Vor­schlä­ge.

Ich woll­te mir ei­nen Über­blick dar­über ver­schaf­fen, wo man be­son­ders vie­le Pis­ten­ki­lo­me­ter an ei­nem Tag fah­ren kann. Da­zu hät­te es ei­ner Lis­te be­durft, in der al­le Top-100-Fah­rer ge­lis­tet wä­ren. Ich ha­be bei Ski­li­ne nach­ge­fragt, aber ei­ne Ge­samt­wer­tung gibt es nicht. Das hat ei­nen gu­ten Grund: Ei­ni­ge der bes­ten und span­nens­ten Ski­ge­bie­te ha­ben kei­ne Chan­ce, in der Hö­hen­me­ter­wer­tung un­ter die ers­ten 1000 zu kom­men. Dort fehlt die da­zu not­wen­di­ge Luft­seil­bahn. So ha­be ich an­ge­regt, ei­ne Lis­te der­je­ni­gen Ge­bie­te zu ver­öf­fent­li­chen, in de­nen Top 100 Wett­be­werb ge­führt wer­den. Viel­leicht be­kom­me ich ja noch ei­ne sol­che im Lau­fe der Zeit. An­de­rer­seits ver­bot zu­min­dest in Ita­li­en zeit­wei­se der Da­ten­schutz die Ver­öf­fent­li­chung der Lis­ten. Das macht die ein­zel­nen Re­gio­nen dann schlecht ver­gleich­bar.

Ei­ne ers­te Stich­pro­be hat mein Vor­ha­ben be­stä­tigt: Ich hat­te in Zer­matt be­haup­tet, dass es in ganz Ös­ter­reich kei­ne Gon­del gä­be wie die am Gant, aber das hät­te ich bes­ser wis­sen kön­nen, weil ich sie selbst schon ge­fah­ren bin, die Luft­seil­bahn zum Ahorn in Mayr­ho­fen. Die Bahn über­win­det auf ei­ner Seil­län­ge von 3 km in 6 Mi­nu­ten 1300 Hö­hen­me­ter, mit 32 km/h Durch­schnitts­ge­schwin­dig­keit. Fährt die Bahn re­gel­mä­ßig, sind vier Fahr­ten in ei­ner Stun­de mög­lich. Das be­deu­tet 5200 Hö­hen­me­ter pro Stun­de und mehr als 40.000 in 8 Stun­den, wenn man die Ab­fahrt in we­ni­ger als 7 Mi­nu­ten schafft. Das ist am­bi­tio­niert, we­gen des gro­ßen Ge­fäl­les oh­ne Flach­stre­cken aber durch­aus rea­lis­tisch. Ich hat­te die Bahn da­mals, 2015, mit Fie­ber ge­fah­ren, am Nach­mit­tag, nach ei­nem Vor­mit­tag im Bett. Da war nicht viel mehr drin als je­de drit­te Bahn zu be­kom­men, was bei ei­nem vol­len Ski­tag sehr knapp auf 20 Fahr­ten ge­kom­men wä­re. Das wä­ren im­mer noch 26.000 Hö­hen­me­ter und 110 km ge­we­sen.

Ski­line führt in sei­ner Da­ten­bank die Durch­gän­ge durch die Sper­ren und kann da, wo auch der Aus­gang an ei­ner Mit­tel­sta­ti­on ge­si­chert ist, ge­naue An­ga­ben zu den Hö­hen­me­tern ma­chen. Ganz im Ge­gen­teil gibt es aber ein mas­si­ves Pro­blem mit den Pis­ten­ki­lo­me­tern. Ei­ner­seits ge­ben die Berg­bah­nen oft falsche Zah­len an. Dass die An­zahl der tat­säch­lich nutz­ba­ren Pis­ten­ki­lo­me­ter im­mer klei­ner ist als die der an­ge­ge­be­nen, wird nicht nur von mir be­klagt. In Ski­ge­bie­ten, in de­nen zwei un­ter­schied­lich lan­ge Pis­ten zur Aus­wahl ste­hen, gibt es kei­ne ein­deu­ti­ge Zahl. Lei­der bil­det Ski­line «das Mit­tel» aus die­sen Va­ri­an­ten. Das ist die dümms­te al­ler Lö­sun­gen. Bes­ser wä­re es, wenn man ein Mi­ni­mum und ein Ma­xi­mum aus­wei­sen wür­de. Dann müss­te man aber zwei Zah­len am sel­ben Lift be­reit­hal­ten, was ver­mut­lich um­fang­rei­che Än­de­run­gen an der Da­ten­bank, der Soft­wa­re und dem Lay­out der Aus­ga­ben nach sich zie­hen wür­de.

Schau­en wir uns ein be­son­ders spek­ta­ku­lä­res Bei­spiel für Hö­hen­me­ter an, so fin­den wir just an der Ahorn­bahn fol­gen­de Da­ten: «jans1567, 25. März 2018, Mayr­ho­fen 41.536 hm, 253 Pis­ten­ki­lo­me­ter, 32 Lift­fahr­ten, 529 Mi­nu­ten Spaß»
Nie zu­vor ha­be ich sol­che Zah­len ge­se­hen. Da­bei star­tet jans1567 vor 8 Uhr auf ei­ner «al­ler­ers­ten» Bahn (wie an­de­re auch). Und die An­zahl der Ki­lo­me­ter? Die hal­te ich für völ­lig falsch! Ich hat­te die mög­li­chen Ab­fahr­ten da­mals ver­mes­sen und fol­gen­de Da­ten er­mit­telt, die Ge­samt­zahl be­zo­gen auf 32 Berg­fahr­ten:
 5,5 km Ab­fahrt - 176 km
 6,4 km Ab­fahrt - 205 km
 Mit­tel: Ab­fahrt - 190 km
We­gen des ge­rin­gen Ge­fäl­les auf den be­tei­lig­ten Zieh­we­gen ist die längs­te Va­ri­an­te in 7 Mi­nu­ten kaum fahr­bar. Es ist al­so sehr wahr­schein­lich, dass jans1567 ziem­lich ge­nau 176 km ge­fah­ren ist, im­mer noch ein ex­trem gu­ter Wert, aber sehr, sehr weit ent­fernt von 253 Pis­ten­ki­lo­me­tern, ge­nau ge­nom­men we­nig mehr als 70% der an­ge­ge­be­nen Stre­cke und nur 10 km mehr als die von uns in Zer­matt auf­ge­zeich­ne­ten Pis­ten­ki­lo­me­ter. Man be­den­ke aber auch, dass ein Feh­ler in un­se­rer Auf­zeich­nung von 100 m be­reits 3,2 km Stre­cke be­deu­tet.

Wenn ich wei­te­re Bei­spie­le fin­de, wer­de ich die­se Sei­te fort­schrei­ben.