Die Lore-Ley

St. Goar

Wer hat nicht schon von ihr ge­hört, der Lo­re­ley bei St. Goar? Hier ist die engs­te Stel­le des Flus­ses. Hier wird der an­sons­ten vor­bild­li­che Rad­weg für ei­ni­ge Ki­lo­me­ter un­ter­bro­chen, denn Ei­sen­bahn­tras­se, Stra­ße und Rad­weg zu­gleich ha­ben hier kei­nen Platz. Dass die Eng­stel­le die Schiff­fahrt heu­te nicht mehr vor gro­ße Pro­ble­me stellt, ist nicht zu­letzt ein Ver­dienst der Ra­dar­ge­rä­te und Si­gnal­an­la­gen, die die Fahr­rin­ne si­chern. Von den Un­glücken frü­he­rer Zei­ten zeu­gen zahl­rei­che Über­lie­fe­run­gen und Ge­dich­te, das be­kann­tes­te von Hein­rich Hei­ne (ver­tont von Fried­rich Sil­cher und in his­to­ri­scher deut­scher Schreib­wei­se und In­ter­punk­ti­on):
Ich weiß nicht, was soll es be­deu­ten,
Daß ich so trau­rig bin;
Ein Mär­chen aus al­ten Zei­ten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dun­kelt,
Und ru­hig fließt der Rhein;
Der Gip­fel des Ber­ges fun­kelt
Im Abend­son­nen­schein.

Die schöns­te Jung­frau sit­zet
Dort oben wun­der­bar,
Ihr gold­nes Ge­schmei­de blit­zet,
Sie kämmt Ihr gol­de­nes Haar.


Sie kämmt es mit gol­de­nem Kam­me
Und singt ein Lied da­bei,
Das hat ei­ne wun­der­sa­me,
Ge­wal­ti­ge Me­lo­dei.

Den Schif­fer im klei­nen Schif­fe
Er­greift es mit wil­dem Weh;
Er schaut nicht die Fel­sen­rif­fe,
Er schaut nur hin­auf in die Höh’.

Ich glau­be die Wel­len ver­schlin­gen
Am En­de noch Schif­fer und Kahn;
Und das hat mit ih­rem Sin­gen,
Die Lore-Lei ge­tan.